24.08.2026 - Stadtverwaltung, Baumaßnahmen, Natur:
Streuobstwiese der Naturschule Aggerbogen wird saniert

Wiederbeleben von umgestürzten Bäumen - etwas für Experten - (Foto : Dr. Maximilian Dornseif, Hof Großlöderich)
Eine Information der städtischen 'Naturschule Aggerbogen' : Die 1992 gepflanzte Streuobstwiese der Naturschule Aggerbogen wird umfassend saniert. Ende Juli haben Baumwarte des Schnittsyndikats, zu dem auch der Obstbauer Maximillian Dornseif gehört, mit dem ersten von drei Pflegedurchgängen begonnen.
Möglich wird die Sanierung durch 2.500 Euro Spenden, die der Förderverein der Naturschule gemeinsam mit Dornseif eingeworben hat. Dazu kommen Rabatte und Sachleistungen der beteiligten Baumwarte sowie die unentgeltliche Mitarbeit Dornseifs. Insgesamt stehen so rund 100 Stunden qualifizierte Baumpflege zur Verfügung. Für die Sanierung der Streuobstwiese am Aggerbogen werden keine weiteren Spenden benötigt.
Die 28 Obstbäume der Wiese stehen im besten Ertragsalter - in den vergangenen Jahren fehlten allerdings die Mittel für die notwendige Pflege. "Wer langlebige Bäume und gutes Obst haben will, muss hochstämmige Bäume alle fünf bis sieben Jahre pflegen. Dann können sie 100 Jahre lang reiche Frucht bringen", erklärt Dornseif vom Hof Großlöderich. Weil er es kaum ertragen konnte, die Bäume in ihren besten Jahren langsam auseinanderbrechen zu sehen, suchte er den Schulterschluss mit dem Förderverein.
Sommerschnitt zuerst : Obstbäume im Sommer schneiden, geht das ? "Aber sicher !", beteuert Dornseif. "Wir wollen nicht, dass die Bäume auf diesem guten Boden noch wesentlich größer werden. Deswegen haben wir die großen, für die Statik wichtigen Schnitte jetzt gemacht. Sommerschnitt ist die Technik der Wahl, um das Wachstum solcher gesunden Bäume im Zaum zu halten." Die schwächer wachsenden Bäume kommen im Winter an die Reihe. "Im Winter ein Jahr später optimieren wir dann auf Fruchtqualität und gute Beerntbarkeit. Im Herbst 2028 sollte die erste reguläre Ernte anstehen." Aktuell sehen die Bäume etwas gerupft aus. "Das ist fachlich ein guter Schnitt", so Dornseif, "Ästhetik kommt später".
Der Pflegerückstand hat Spuren hinterlassen: Zwei Bäume sind seit vielen Jahren umgestürzt - sie leben aber noch und tragen weiterhin Früchte. Ihr Schnitt war die größte Herausforderung der bisherigen Arbeiten. Zuerst wurden die horizontal liegenden Kronen entlastet, dann die Stämme stabilisiert. Zum Schluss begannen die Baumwarte damit, neue vertikale Kronen zu ziehen, und versorgten die beschädigten Wurzeln. "Ein Lehrstück für die Resilienz von Bäumen - und dafür, was in geübten Händen möglich ist", sagt Dornseif.
Nach Abschluss der Sanierung wird Dornseif die Wiese von der Stadt Lohmar pachten. Die Stadt bleibt Eigentümerin der Fläche. Über den Pachtvertrag ist die fachgerechte Pflege dauerhaft gesichert und die Investitionen der kommenden zwei Jahre werden langfristig nutzbar. Seine eigenen Arbeitsstunden auf der Wiese leistet Dornseif unentgeltlich; die Spendenmittel fließen vollständig in die beauftragte Baumpflege.
"Nützen ist Schützen- ein Konzept, das wir in der Landschaftspflege gerne anwenden", sagt Dornseif. "Wenn pflegeintensive Naturschätze wie Streuobstwiesen nicht auch einen wirtschaftlichen Nutzen haben, dann bleiben sie Liebhaberei, und eine Pflege über Jahrzehnte ist nicht sicherzustellen. Ich bin sicher, dass wir viel mehr Landschaftselemente wieder in eine schonende, kleinbäuerliche Nutzung bringen müssen."
Lernort für Generationen : Die Wiese ist seit Jahrzehnten ein Bildungsort: Viele Kinder aus der Region haben hier zum ersten Mal einen Apfel vom Baum gepflückt. Es gibt Schnittkurse für Jung und Alt, Obst wird gesammelt und gepresst. "Wir beziehen in unsere Exkursionen gezielt die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN mit ein, insbesondere Ziel vier : hochwertige Bildung", erklärt Sigrun Jungwirth, Umweltbeauftragte der Stadt Lohmar und Leiterin der Naturschule Aggerbogen. "Streuobst spielt in so viele Bereiche mit hinein, dass wir das gut in unsere Lerneinheiten integrieren können : beispielsweise bei Ernährung und Gesundheit, nachhaltigem und lokalem Konsum, Wasser- und Klimaschutz, Biodiversität und Infrastruktur."
Anne Rosenthal, eine langjährige Honorarkraft und Gartenexpertin in der Naturschule, freut sich über eine Erweiterung des Blickwinkels : "Bisher haben wir vor allem auf den Weg vom Apfel bis zum Produkt geschaut - zum Beispiel Saft oder Kompott. Wir wollen jetzt auch den Generationenvertrag, den das Pflanzen eines Baumes bedeutet, und die langfristige Pflege von Obstgehölzen vermitteln."
Neue Erklär-Tafeln und ein Sortengarten : Auf dem Gelände der Naturschule gibt es dazu neue Erklär-Tafeln. Im Bereich der Streuobstwiese an den Aggersteinen wurde das altbekannte Schild erneuert. Auf dem anderen Ufer der Agger Richtung Spechtsberg ist ein neues Schild hinzugekommen, das den Schwerpunkt stärker auf den wirtschaftlichen Nutzen von Streuobstwiesen legt.
Dort betreibt der Hof Großlöderich einen experimentellen Sortengarten. "Hier haben wir knapp 200 verschiedene alte Sorten gepflanzt : Birnen, Äpfel, Maulbeeren, Mandeln, Kastanien, Walnüsse, Pfirsiche, Aprikosen, Felsenbirnen, Speierlinge, Elsbeeren, Ebereschen und Quitten", sagt Dornseif. "Es geht darum, herauszufinden, welche Sorten unter den heutigen Klima- und Schädlings-Bedingungen gut funktionieren. In zehn Jahren wissen wir mehr und können den Streuobstanbau mit diesen Sorten massiv ausbauen." Dafür sucht Dornseif noch geeignete Flächen - Kontakt über
www.hof-grossloederich.de .
"Von Obst in der Landschaft profitieren alle", fügt Jungwirth hinzu. "Die Artenvielfalt, der Wasserhaushalt, der Boden, die Ernährung und auch die Ästhetik."





