29.09.2011 - Baumaßnahmen, Verkehr:
Neubau einer Umgehungsstraße in Overath zurückgestellt

Zwischen Bombach und Aggerhütte sollte die Trasse nach Heiligenhaus abzweigen

Protestschild gegen die Ortsumgehung im Overather Wald bei Voßwinkel (Archivfoto)
Ein breites Spektrum an denkbaren Varianten waren für eine Umgehungsstraße zur Entlastung des Overather Ortszentrums im Gespräch. Die dortige schmale Hauptstraße leidet unter dem Durchgangsverkehr, der teilweise den stauträchtigen Kölner Autobahnring umfährt, indem die B 484 und die B 55 zwischen der A 3 in Lohmar und der A 4 in Overath als Abkürzung benutzt werden. Zu den Ideen für die Führung einer Ortsumgehung zählten auch lange Tunnel-Lösungen, deren Verwirklichung aus Kostengründen unrealistisch erschienen.
Zuletzt im Gespräch war auch eine Trassenführung, die den Verkehr zwischen Lohmar und der A 4 am Overather Ortszentrum vorbei bei Heiligenhaus auf die A 4 leitet. Diese umstrittene Trasse sollte an der Aggerhütte von der B 484 abzweigen, zwischen Lohmar-Bombach und Overath-Kombach ansteigen, durch ein geschütztes Waldgebiet sowie sensible Landschaft östlich von Heiligenhaus führen. Nun können all diese Pläne mittel- bis langfristig in die Schublade gelegt werden. Denn auch die Overather Umgehungsstraße ist von einer aktuellen Entscheidung der NRW-Landesregierung betroffen.
Wie das Ministerium für Bauen und Verkehr vergangene Woche bekanntgab, wurden die Prioritäten für Straßenbauvorhaben in Nordrhein-Westfalen überarbeitet. Grund sind fehlende Finanzmittel auch für die insgesamt 174 sogenannten Bedarfsplan-Maßnahmen des Bundes, also im Bereich von Autobahnen und Bundesstraßen. "Seit Jahren ist klar, daß die zur Verfügung stehenden Gelder nicht ausreichen, um die geplanten Vorhaben umzusetzen. Weitere Kürzungen auch des Bundes stehen an. ... NRW beweist als erstes Bundesland den Mut, Wahrheiten offen auszusprechen und Prioritäten zu setzen, um die Ressourcen verantwortlich einzusetzen", so Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger am 22. September.
Daher will sich das Land bezüglich der in nächster Zukunft zu verwirklichenden Bauvorhaben auf "besonders wichtige und einigermaßen reibungslos zu realisierende Projekte" konzentrieren, wobei die Umsetzbarkeit und die allgemeine Akzeptanz vor Ort entscheidende Kriterien seien. In der vorrangigen Planung verbleiben Baumaßnahmen an 37 Landesstraßen sowie 96 im Auftrag des Bundes stehenden Autobahnen und Bundestraßen mit einem Gesamtetat von gut 4,5 Milliarden Euro. Über die verbleibenden 78 Bauprojekte aus dem Bereich der Bedarfsplan-Maßnahmen des Bundes wird später entschieden oder sie wurden sofort auf den Status einer "nachrangigen Planung" zurückgestellt, was einem vorläufigen Planungsstopp gleichkommen dürfte.
Letzteres gilt auch für die Overather Ortsumgehung, deren Realisierung damit auch mittelfristig unwahrscheinlich ist. In Wahlscheid und Lohmar kann man daher froh sein, daß beide Orte ihre Umgehungsstraßen bereits in den 80er-Jahren bzw. durch die neue Autobahnanbindung im Jahre 2004 erhielten. (cs)





