13.11.2008 - Politik, Wirtschaft, Stadtverwaltung:
'Alter Güterbahnhof' schreckt umworbene Investoren ab

Die Straße 'Am alten Güterbahnhof' quert das ehemalige 'Lüghausen'-Gelände mittig
Im vergangenen Jahr suchte der städtische Umwelt- und Verkehrs-Ausschuß einen Namen für die neue Erschließungsstraße auf dem ehemaligen 'Lüghausen'-Gelände, die von der Evangelischen Kirche zum künftigen 'Aldi'-Markt führt. Zur Erinnerung an die frühere Bahnverbindung von Siegburg nach Lohmar und den noch bis in die 90er-Jahre existenten Güterverkehr legte man sich auf den Namen 'Am alten Güterbahnhof' fest. Dieser Bahnhof ist bekanntlich zwischenzeitlich einer Straße gewichen. Der Name aber, so berichtete Beigeordneter Stefan Hanraths in der gestrigen Sitzung, wird von mehreren potentiellen Investoren auf der derzeitigen Brachfläche abgelehnt. Der Straßenname wird als Firmenanschrift verständlicherweise als "geschäftsschädigend" bezeichnet, paßt die Bezeichnung doch gar nicht zum beabsichtigten Innovations-Standort. Sie suggeriert vielmehr die Lage in einem sanierungsbedürftigen Bahnhofsviertel.
Als Alternative schlug der Beigeordnete Michael Hildebrand für die Verwaltung die Bezeichnung 'Im Auelsfeld' vor. Doch auch dieser Name ist nicht ohne Fallstricke, birgt er doch erhebliche Verwechslungsgefahr mit dem nahen Auelsweg, was allerdings bestritten wurde. Als in der Sitzung unbeabsichtigt die Mischform 'Im Auelsweg' fiel, bestätigten sich die Befürchtungen jedoch direkt. Die 'CDU'-Fraktion schlug in Anlehnung an die noch junge Städtepartnerschaft zur polnischen Stadt 'Zarow' alternativ die Bezeichnung 'Zarow-Straße' vor. Sie läge fast in einer Achse mit dem 'Frouard-Platz' und der 'Vila-Verde-Straße', die weitere Städtepartner repräsentieren. Uneinigkeit herrschte aber, ob man der Partnerschaft mit einer Straße in einem Gewerbegebiet gerecht werde.
Unfreiwillig komisch wurde die Diskussion, als der Name 'Am alten Güterbahnhof' als Firmenadresse zudem als "zu lang" bezeichnet wurde. Die neue, unmittelbar benachbarte Straße zwischen der Kirchstraße und dem Auelsweg trägt mit der Bezeichnung 'Walterscheid-Müller-Straße' schließlich einen noch längeren Namen. Einen "interessanten" Aspekt zur Wirtschaftsförderung brachte Stefan Müller ('Die Linke') ein. Er konnte das Problem mit dem 2007 vergebenen Namen nicht nachvollziehen. Wenn Grundstücks-Interessenten der Name nicht zusage, könnten sie es eben sein lassen. Es gebe keine Notwendigkeit für eine andere Bezeichnung.
Trotz der im Prinzip gebotenen Eile - die derzeitige (Interims-)Bezeichnung könnte zunehmend Einzug in Kartenwerke und Navigations-Software finden - wurde die Entscheidung schließlich mit knapper Mehrheit auf 2009 vertagt. Zunächst soll das Vorhaben mit den polnischen Partnern abgestimmt werden, dies sei guter Stil. Doch auch die derzeitige wie auch die verwechselbare Bezeichnung 'Im Auelsfeld' sind noch nicht vom Tisch. Negative Konsequenzen hätte eine Umbenennung der Straße übrigens nicht - es gibt noch keinen einzigen Anlieger. (cs)





