08.04.2024 - Veranstaltungen, Kulturelles:
Szenisches Hörspiel namens 'Die Innenseite des Glücks'

Helene und Pius Haun - (Fotos : privat)
Am kommenden Wochenende findet in der Kunsthalle des Vereins 'LohmART' in Scheiderhöhe keine Ausstellung, sondern eine Aufführung statt. Heinz-D. Haun, "Theatermacher" und Theater-Pädagoge aus Bergisch Gladbach, hat ein szenisches Hörspiel über seine Eltern Helene und Pius Haun über deren bewegtes Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit zwischen 1939 und 1949 entwickelt.
Die Aufführung unter dem Titel "Die Innenseite des Glücks - Pius und Helene 1939-1949", die aus Lesung, Erzählung, Gesang und Cello-Livemusik besteht, beginnt am Samstag (13.04.) um 18 Uhr in der Kunsthalle an der Scheiderhöher Straße 42b (Zugang über das Außengelände des Kindergartens). Der Eintrittspreis beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, Reservierungen sind unter Telefon 02202 / 250837 möglich.
Zusatzinformationen des Autors Heinz-D. Haun : Pius und Helene waren meine Eltern. Mein Vater starb 1995, meine Mutter 2003. Ich habe ein Bühnenstück über die beiden erarbeitet : "Die Innenseite des Glücks - Pius und Helene 1939-1949". Es hatte Ende November 2022 im 'THEAS Theater' Bergisch Gladbach eine vielbeachtete Premiere. Es folgten vier weitere Aufführungen im 'THEAS' vor vollem Haus, eine Aufführung für Schüler und Schülerinnen, eine in der Galerie am Schloss in Brühl, eine in Leverkusen-Rheindorf. Dort hatten sich meine Eltern beim Ball im Saal Norhausen am 4. November 1939 kennen gelernt und ineinander verliebt.
Ich erzähle die Geschichte meiner Eltern von ihrer ersten Begegnung, über Verlobung und Heirat, über die Kriegseinsätze meines Vaters als Sanitätsfeldwebel an der Westfront und der Ostfront, das Kriegserleben meiner Mutter im Rheinland, über die Gefangenschaft meines Vaters in Russland bis zu seiner Heimkehr 1949. - Die "Innenseite des Glücks" ist ein Zitat meines Vaters, niedergeschrieben auf einem Notizzettel, den ich inmitten hunderter Feldpostbriefe fand und der einen seltsamen Kontrast herstellt zu den grausamen und dramatischen Erlebnissen während des Krieges. Die Briefe und Karten dokumentieren die Geschichte einer Liebe in außergewöhnlich schwierigen Zeiten.
Das Thema "Krieg" war bei uns zu Hause kein bedeutsames Thema. Wir Kinder haben - wie wir heute wissen - zu wenig gefragt. Jedoch konnte ich aus der großen Fülle erhalten gebliebener Briefe und einigen Tagebüchern meines Vaters unter Zuhilfenahme verschiedener historischer Darstellungen über den Kriegsverlauf beinahe vollständig eine Dekade unserer Familiengeschichte rekonstruieren. Die Recherche zu den Kriegserlebnissen meines Vaters und das Wissen darum, dass seine Einheit an schwersten Kriegsverbrechen in Weißrussland beteiligt war, führten dazu, dass ich 2019 an Orte des Grauens gereist bin, die im heutigen Belarus liegen, und Kontakt zu belarussischen Historikern aufgenommen habe, woraus ich viele zusätzliche Informationen beziehen konnte.
Als professionellem Theatermacher entstand in mir das dringende Bedürfnis, den vorliegenden umfangreichen und beeindruckenden Fundus an Material in einem Bühnenstück zu verdichten. Ich folge in der Realisierung der Idee im wesentlichen der Chronologie der Ereignisse und verwende theatralische, musikalisch-klangliche und bilddokumentarische Elemente, hin und wieder kommentiert durch Anmerkungen zu Gedanken und Gefühlen, die das zunehmende Wissen über das Geschehene in mir auslösten.
Zusätzlich zu meiner Live-Lesung, Erzählung und Moderation übernehmen "Stimmen aus dem Off" mehr die nüchtern-sachlichen Informationen und "objektiven" Darstellungen. Der renommierte Cellist Holger Faust-Peters intensiviert mit seinen Live-Improvisationen und -Klangbildern die Darstellung in beeindruckendem Maße; sie erzeugen intensive Stimmungen und übernehmen zusätzlich die Funktion eines eigenständigen dramaturgischen Mittels. Auf meiner Homepage finden sich weitere Informationen :
www.hdhaun.de/pius-und-helene
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Vorarbeit für die Inszenierung mit einem Stipendium im Rahmen des Programms "Neustart Kultur" gefördert. Der 'Volksbund Kriegsgräberfürsorge' unterstützt das Projekt werbetechnisch. Die 'Bethe-Stiftung' half mit einer Spenden-Verdoppelungs-Aktion, auch weitere Aufführungen finanziell abzusichern.





