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Rückhaltebecken soll den Jabach bei Starkregen aufhalten

(zugehörige Fotos in Vorbereitung)

Beschaulich plätschert der Jabach nach Verlassen des nach ihm benannten Tales in einer großen Schleife durch das Aggertal, bevor er zwischen Donrath und Lohmar in die Agger mündet. Daß das Bächlein bisweilen zu einem großen Problem werden kann, sieht man ihm an den meisten Tagen des Jahres nicht an. Für ein sogenanntes hundertjähriges Hochwasser-Ereignis (HQ 100) sei der Querschnitt des Bachbettes ausgelegt. Pech ist, dass sich die Natur an diese Definitionen nicht (mehr) hält. "Dank" des Klimawandels mit zunehmend extremeren Wettererscheinungen fanden diese „Jahrhundertereignisse“ inzwischen alle paar Jahre statt - Tendenz offenbar steigend.

Mehrfach ist das Wohngebiet beidseits des Baches - nach der damaligen Entwicklungs-Gesellschaft immer noch "RSB-Gebiet" genannt - seit der Jahrhundertwende bereits überflutet worden, zuletzt am 20. Juni 2013. Damals hatte anhaltender Starkregen, der von den Höhenrücken beidseits des Jabachtales zusammenfloß und als Sturzflut durch das schmale Tal strömte, die Keller und auch das Erdgeschoß vieler Wohnhäuser am Jabach unter Wasser gesetzt und immense Sachschäden angerichtet ( Öffnet einen internen Link im aktuellen Fensterwir berichteten ). Als Sofortmaßnahme war das Bachbett im Anschluß zum besseren Durchfluß des Wassers im Ortsbereich rigoros gerodet worden.

Wie aber kann das Wohngebiet bei zukünftigen Starkregen-Ereignissen bestmöglich geschützt werden ?  Drei Varianten wurden in Augenschein genommen, Ingenieurbüros arbeiteten die Ideen aus, um verlässlich Angaben zur Wirksamkeit der Maßnahmen und ihre Kosten zu erlangen.

Eine Variante sieht vor, das Wasser, das am Durchlaß des Jabachs unter der Hauptstraße aufgestaut wird und dann über die Straße in Richtung Donrath fließt, daran zu hindern, in das tiefergelegene Wohngebiet zu gelangen. Ein Lärmschutzdamm riegelt das Gebiet fast auf der gesamten Länge ab. An zwei Stellen aber - der einzigen Zufahrt in das Wohngebiet an der Kreuzung in Höhe des Schulzentrums und einem Fußweg nahe der Donrather Kreuzung - findet das Wasser ungehemmten Einlauf. Eine leichte Aufwallung der Straße und des Fußwegs könnte dafür sorgen, daß das Wasser an dem Damm entlangströmt und erst vor Donrath über die Wiesen in die Agger abfließt.

Das zuletzt ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Gartencenter könnte ebenfalls durch einen Wall zwischen dem eigenen Parkplatz und dem städtischen Park & Ride-Platz geschützt werden. Die darin eingeschnittene Zufahrt und Zuwege könnten im Ernstfall durch von Hand eingebrachte Hochwasser-Barrieren, wie man sie vom Rheinufer kennt, geschlossen werden. Was bei Geschäftsbetrieb tagsüber praktikabel erscheint, wirft aber schon bei Starkregen in den Abend- oder Nachtstunden logistische Schwierigkeiten auf.

Ungelöst ist dabei auch das Problem, ob das Wasser auf dem Weg entlang der Hauptstraße nicht in das gegenüberliegende 'Donrather Dreieck' läuft. Ein Geschäftshaus, das Feuerwehrhaus und der Keller des Schulzentrums wurden bei vorangegangenen Wetterereignissen bereits überschwemmt. Aufgestautes Wasser auf der Hauptstraße würde die Situation verschlimmern, auch die Sportanlagen nebst Tennis- und Soccer-Halle wären in Gefahr. Ohnehin würde das Wasser die Verkehrswege unpassierbar machen, neben der Hauptstraße wären auch die Donrather Kreuzung und die Autobahn-Zufahrt in Gefahr. Wären eventuell sogar die ersten Wohnhäuser Donraths betroffen, die ohnehin schon durch andere Wasserzuflüsse stark belastet sind ?

Eine seinerzeit von den 'Bündnis 90 / Die Grünen' vorgeschlagene Idee, für den Jabach ausgangs des Tals einen zusätzlichen Graben anzulegen, um einen Teil des Wassers entlang der B 507 auf direkterer Linie zur Agger zu leiten, wurde zwischenzeitlich verworfen. Diese Bypaß-Lösung, die den Bachlauf im Wohngebiet bei Starkregen entlastet hätte, hätte einen langen Düker unter der Autobahnzufahrt notwendig gemacht, die Gesamtkosten wurden als zu hoch eingeschätzt.

Aufgrund der Problematiken wurde weitere Lösung ins Auge gefasst, nämlich die des Baus eines Hochwasser-Rückhaltebeckens ausgangs des Jabachtals. Wasser, das erst gar nicht in den Unterlauf des Baches gerät, kann dort auch keine Überschwemmungen verursachen. Der Charme dieses Lösung liegt darin, daß nicht nur das gefährdete Wohngebiet, sondern auch die öffentlichen Gebäude im 'Donrather Dreieck' vor dem Wasser geschützt wären.

Nachteile dieser Lösung sind die deutlich höheren Kosten und die längere Planungs- und Bauzeit, bis die nötige Schutzwirkung erzielt werden kann. Mit rund einer Million Euro werden die Kosten für den Bau des Dammes, hinter dem das Wasser im Jabachtal aufgestaut werden kann, veranschlagt. Die Variante der Wall-Lösung entlang der Hauptstraße würde dagegen mit "nur" rund 300.000 Euro zu Buche schlagen. In Zeiten leerer öffentlicher Kassen sicherlich ein schwerwiegendes Argument.

Das zweite Kriterium, daß nicht für das Rückhaltebecken spricht, ist die Dauer seiner Realisierung. Für das notwendige Genehmigungs-Verfahren im Landschaftsschutzgebiet wird viel Zeit benötigt, allein die vorgeschriebene artenschutzrechtliche Prüfung könne ein Jahr dauern, so Horst Becker (Bündnis 90 / Die Grünen). Bis die Schutzwirkung erzielt wird, würden mehr als zwei, vielleicht auch drei Jahre ins Land gehen. Die Wall-Lösung mit Anhebung der Zufahrtstraße in das Wohngebiet ließe sich dagegen in nur drei Monaten verwirklichen. Beide Faktoren hatten die Stadtverwaltung dazu veranlasst, den politischen Gremien die erste der genannten Varianten zur Realisierung vorzuschlagen.

Die Mitglieder des städtischen Bau- und Verkehrs-Ausschusses folgten diesem Vorschlag in ihrer eigens einberufenen Sondersitzung am 23. Februar jedoch nicht. Die Unwägbarkeiten der Wall-Lösung wurden als zu unsicher gewertet. Durch die Komplexität der Problematik der Wasserabflüsse wurde die Gefahr, daß Donrath zusätzlich belastet wird, höher bewertet. Eine Rolle spielte auch, dass ein Damm nicht nur das Wohngebiet, sondern sämtliche Gebäude im Tal dauerhafter und nachhaltiger schützt. Folgekosten durch Schäden auch an öffentlichen Gebäuden wie dem Schulzentrum können so vermieden werden. Das Rückhaltebecken sei laut Guido Koch (CDU) die Lösung erster Wahl, weil das Wasser außerhalb des Ortes abgefangen werde, statt es im Ort kontrolliert abzuleiten. So stimmte der Ausschuß trotz der Kosten und des Zeitfaktors einstimmig für einen gemeinsamen Antrag der CDU und Bündnis 90 / Grünen für das Hochwasser-Rückhaltebecken.

Detailfragen sind im weiteren Fortgang des Verfahrens zu klären. Dazu gehört, welches Regenaufkommen das Becken abdecken soll - im Gespräch ist ein sogenanntes 500-jähriges Regenereignis (HQ 500). Davon ist die Höhe des Dammes abhängig. Auch für die Senkung der Planungs- und Baukosten kam bereits eine Idee auf. Frank Trimborn (CDU) regte eine Prüfung an, inwieweit der Bund an den Kosten beteiligt werden könnte. Schließlich verläuft durch das Jabachtal die breit ausgebaute Bundesstraße, deren Oberflächenwasser komplett in den Bach abläuft. Für diese versiegelte Fläche könnte der Bund als Mitverursacher des abfließenden Wassers herangezogen werden. Im Oberbergischen Kreis sei bereits derart praktiziert worden.

Bis die Schutzfunktion des Rückhaltebeckens erreicht ist, müssen sich die Anwohner des Jabach-Unterlaufs nicht allein auf ihr Glück verlassen, daß das nächste extreme Starkregen-Ereignis noch drei Jahre auf sich warten läßt. Bis dahin soll im Ernstfall der aufpumpbare Schutzschlauch des schweizerischen Herstellers 'Beaver' zum Einsatz kommen, den die Stadt im vergangenen Jahr für die Feuerwehr angeschafft hatte. Bei einer Übung wurde seinerzeit demonstriert, wie die Zufahrt und der kleine Zuweg zum Wohngebiet mit den teils wasser-, teils luftgefüllten Schläuchen verschlossen werden können. Um sie lückenlos einpassen zu können, wurde die Enden der vorhandenen Lärmschutzwälle gerodet und teils asphaltiert.

Die Politiker appellierten aber auch an die Eigenverantwortung der Anwohner. Ein totaler Schutz kann weder vor, noch nach dem Bau eines Rückhaltebeckens garantiert werden. Aus diesem Grund ist der Eigenschutz der Grundstücke und Häuser ratsam, wie ihn zahlreiche Anlieger bereits umgesetzt hätten. Die Stadtverwaltung gebe in dieser Frage gerne beratende Hilfestellung. (cs)

24. Februar 2015