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'Lohmarer Höfe' - 18 rumänische Bauarbeiter in Not

Die rumänischen Bauarbeiter im Gespräch mit Dolmetscherin Cristina Aldea

In diesen Containern mitten auf der Baustelle wohnen die rumänischen Arbeiter
Die Bauarbeiter berichten der Dolmetscherin über ihre Erfahrungen

Sie sind maßlos enttäuscht und völlig verzweifelt. Einige wischen sich Tränen aus dem Gesicht, andere strecken wütend den Zeigefinger gen Himmel : 18 rumänische Arbeiter sind auf der Großbaustelle der 'Lohmarer Höfe' mitten im Ort regelrecht gestrandet. Seit ihre mehrwöchigen Arbeitsverträge am 30. Juni ausgelaufen sind, harren sie aus in den engen, gelben Container-Baracken - ohne ihren verdienten Lohn bekommen zu haben, ohne Geld für Essen und Trinken und ohne ausreichende Sprachkenntnisse in einem für sie fremden Land.

Aus allen Regionen Rumäniens hatte man die Männer zur Arbeit nach Deutschland gelockt, ihnen angeblich Stundenlöhne von bis zu 12,50 Euro / Stunde versprochen. Dafür ließen die meisten der 18 Arbeiter ganze Familien in der Heimat zurück und schufteten stattdessen für sich und ihre Angehörigen seit Anfang Mai ununterbrochen in Lohmar. Harte Knochenarbeit von morgens bis abends, sechs Tage in der Woche, oft bis in die Abendstunden hinein !

Wie die Kölner Dolmetscherin Cristina Aldea den Arbeitern am Rande der Großbaustelle am Donnerstag- Nachmittag nach und nach entlockte, hätten die Männer am selben Morgen eigentlich von einem Bus abgeholt und in ihre Heimat zurückgebracht werden sollen. Jedem Arbeiter, so übersetzte die Dolmetscherin, seien dafür 100 Euro angeboten worden - vermutlich als Abfindung, um auf weitere Lohnforderungen zu verzichten und über den gesamten Vorgang zu schweigen.

Wie es weiter hieß, habe ein Mitarbeiter offenbar derjenigen rumänischen Firma, die die Arbeiter nach Lohmar lockte und inzwischen über offizielle Drähte nicht mehr zu erreichen sein soll, die Männer noch am Mittwoch auf der Baustelle massiv in deren Muttersprache einzuschüchtern versucht. Laut Übersetzung von Cristina Aldea habe man den Männern im Falle des Nichtbefolgens seiner Anweisungen sogar damit gedroht, offizielle Behörden einzuschalten, die die Arbeiter dann an Händen und Füßen gefesselt von der Baustelle abführen würden. Jedoch :  Weder vom versprochenen "Schweigegeld" noch vom zugesagten Reisebus in Richtung Heimat war dann irgendetwas zu sehen.

Ebenfalls noch am Mittwoch waren auf der Lohmarer Großbaustelle Beamte des Kölner Hauptzollamtes gesichtet worden. Vermutlich handelte es sich dabei um Mitarbeiter der Fachabteilung 'Finanzkontrolle Schwarzarbeit', die vor Ort Ermittlungen aufnahmen. Nähere Einzelheiten wurden dazu zunächst nicht bekannt. Am Donnerstagnachmittag hat man dann aber nach Informationen von 'www.lohmar.info' mehrere rumänische Arbeiter zu Vernehmungen über deren Schicksal durch den Zoll von Baustelle abholen lassen.

Auch die in einem Container an der Vila-Verde-Straße untergebrachte Bauleitung der 'Lohmarer Höfe' gab sich am Donnerstag auf Befragen zugeknöpft : "Kein Kommentar !" - Wie die Stadt Lohmar am Donnerstag-Nachmittag mitteilte, habe das Projektentwicklungsunternehmen '3C Real Estate' aus Köln einen Generalunternehmer für die Bauarbeiten der 'Lohmarer Höfe' beauftragt. Dieser wiederum habe einen Subunternehmer für die Rohbauarbeiten eingeschaltet, der dann die rumänischen Arbeiter in Lohmar zum Einsatz brachte.
 

Ansicht des bislang zweigeschossigen Rohbaus von der Hauptstraße
Aktuelle Ansicht der Baustelle im Ortszentrum von der Hauptstraße ...
Blick über die Baustelle, links die Wohncontainer zwischen halbfertigen Bauten und Material
... und von der einmündenden Kirchstraße aus betrachtet

 
Noch am Donnerstag habe die Stadt den Arbeitern, nachdem sie vom Schicksal der 18 rumänischen Männer erfuhr, Lebensmittelgutscheine und jeweils 10 Euro in bar als Soforthilfe übergeben. Desweiteren habe es ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt, von '3C Real Estate', des Generalunternehmers und einem Rechtsanwalt gegeben, der die Interessen der gestrandeten Arbeiter vertritt. Dabei sei erreicht worden, "dass die Rumänen eine Lohnzahlung erhalten und dass sie ein Reisebus voraussichtlich morgen (Anmerkung der Redaktion : am Freitag) wieder in ihre Heimat zurückbringt". Wie hoch diese Lohnzahlung tatsächlich sein wird und wann der Bus die Männer in Lohmar abholt, war am Donnerstagabend nicht mehr zu erfahren.

Übrigens :  Im nahen Bergisch Gladbach waren rund 50 rumänische Bauarbeiter erst kurz zuvor von nahezu demselben Schicksal ereilt worden. Sie hatten dort auf der Großbaustelle der 'RheinBerg-Galerie' gearbeitet. Auch in diesem Fall ermittelt nun das Kölner Hauptzollamt. (lö)

 

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03. Juli 2008